Historische Oper
am Gänsemarkt

Ein Multimediales Opernhaus in Hamburg

OPERNHAUS

Die Hamburger Oper am Gänsemarkt (1678 bis 1738) – ursprünglich »Hamburgischer Schau-Platz« genannt – war das erste und lange Zeit das einzige auf deutschem Boden öffentliche wirtschaftlich organisierte Opernhaus. Sein Aufstieg wie der Fall waren dramatisch. Seine Dimensionen waren für die Zeit einmalig: Sowohl die Größe der Bühne als auch der Umfang des Zuschauerraums waren gigantisch.

Es brachte große musikalische Schätze der damaligen Epoche hervor und glänzte mit Werken nicht nur hamburgischer und deutscher Komponisten, sondern hat dem Publikum den Zugang zu vielen europäischen Meisterwerken ermöglicht. In 60 Jahren ihres Bestehens wirkte hier eine ganze Reihe genialer Musiker wie Graupner, Reincken, Mattheson, Telemann, Händel, Keiser u.a. Die Thematik der dargebotenen Opernwerke reichte von mystischen, religiösen und mythologischen Libretti bis hin zu tagesaktuellen Geschehnissen aus dem hanseatischen Leben.

Nachdem das Opernhaus am Gänsemarkt nach seinen 60 Jahren des turbulenten Betriebs 1757 abgerissen wurde, muss diese ebenso berühmte wie beinahe vergessene Hamburger Besonderheit immer wieder wie ein unruhiger Geist nach einem neuen Zuhause suchen. Ihr riesiges Repertoire von über 200 Werken ist immer noch zu selten in Hamburg zu erleben.

Für einen Abend bieten diverse etablierte sowie unbekannte, aber akustisch spannende Orte in Hamburg und Norddeutschland dem Operngeist ihre freundliche Unterkunft.

Eine historische Oper für Hamburg. Hat sie wirklich noch gefehlt? Sicher, denn gerade die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts entfaltet ihre Wirkung am besten in dem ihr vertrauten Kontext der historischen Aufführungspraxis und selbstverständlich auch im visuellen Rahmen der Original-Bühnenbilder.

Wie versteht man aber die alten Texte, entschlüsselt die oft kryptischen Bilder und genießt die im engen Korsett des Formalismus eingeschlossene Schönheit der Barockmusik? Es ist nicht immer auf eigene Bildung Verlass, und so bündeln wir die ganzheitliche und immer inspirierende Arbeit mit Schülern an Musik, Text und Bild mit kreativer und ideenreicher Aufbereitung der Videosequenzen durch unsere Lichtspielgestalter sowie mit der Einbringung eigener Sichtweisen von jungen Ensembles und natürlich unsere Konzerteinführungen zu einer starken Hilfestellung zusammen.

Eine solch umfangreiche Darbietung der Alten Opernwerke in Bild, Text und Ton war bis jetzt in der Hansestadt nur selten zu erleben.

Die Energiequelle barocker Musik und alter Theatralik liegt in ihrem bildlichen, musikalischen und textlichen Ursprung aus der Entstehungszeit. Man braucht keine Perücken oder Barockkostüme, denn die typische Handlung seines Repertoires hatte das Opernhaus am Gänsemarkt aus dem Antiken oder dem mittelalterlichen Stoff bezogen. Es ging aber keinesfalls nur um die alten Götter, Herrscher oder Helden selbst, sondern die Mythen und Legenden wurden von den Barockmeistern auch als Anspielungen aller emotionalen Arten genutzt, um Parallelen zur aktuellen Zeit zu ziehen und so den Zuschauer zum Nachdenken, Weinen und Lachen zu bewegen oder auch einem oder anderem zeitgenössischen Herrscher zu gefallen.

Worauf nicht verzichtet werden kann sind die teilweise erhaltene Original-Bühnenbilder, beispielsweise die des berühmten Malers der Zeit Johann Oswald Harms, aber auch die Originalinstrumente und die historisch informierte Lesart der Musik. Erst auf diese Weise leben die zunächst schwer zu verstehenden Texte und die Musik der Zeit auf.

Historische Theater mit aufwendig restaurierter Innenausstattung, alten Bühnenbildern und teilweise sogar mit Originalmaschinerie gibt es einige, auch wenn sie sich oft mehr einem »spielenden Museum« als einem dynamischen Opernhaus ähneln: Bayreuth hat das Markgräfliche Opernhaus (1748), die kleine Stadt Grein in Österreich hat das Stadttheater (1791), Stockholm hat das Drottningholm Schlosstheater (1762) und eins der ältesten Schlosstheater befindet sich im Český Krumlov (1675). Eine Initiative will in Venedig das weltweit älteste öffentliche Teatro San Cassiano (1637) wiederaufbauen.

Und in Hamburg, wo im Jahre 1678 das zweite (nach Venedig) öffentlich zugängliche Opernhaus der Welt eröffnet wurde, sucht man immer noch vergeblich danach.

In der Hansestadt, wo mit der Staatsoper und anderen weltberühmten Bühnen eine hervorragende Theater- und Opernlandschaft existiert und mit der Elbphilharmonie ein weiteres Glanzstück Kultur entstanden ist, fehlt wahrscheinlich kein zusätzliches Opernhaus als physikalisches Gebäude. Im Kulturverständnis des 21. Jahrhunderts allerdings verschieben und verändern sich die Erwartungen des Publikums, und der technische Fortschritt bringt unter seinen vielen Vorteilen die Möglichkeit, auf innovative Weise alte Live-Musik mit virtuellem Bühnengeschehen zu verflechten.

Es entsteht ein ähnlicher Effekt, der sich zu den Zeiten des Stummfilms eingestellt hat: durch die Live-Musik wurden die Gefühle und das Geschehen auf die bis dahin ungeahnte Art und Weise verstärkt und erweitert. Hier verstärken die Bildsequenzen und -Konstruktionen die Wirkung der Musik und der Texte.

Vier Hauptelemente des Opernhauses

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Konzertante Opernevents
mit virtuellem Bühnenbild

Das Wesentliche im Vordergrund: Ohne Perücken und Barockkostüme sowie ohne die konventionelle »Umdichtung« der Libretti ins Heute öffnet sich die Oper des 17. und 18. Jahrhunderts zu ihrer ursprünglichen Tiefe, Schönheit und Pracht.

Rezeptionsgewohnheiten oder Aufmerksamkeitsdauer mögen sich durch die Jahrhunderte stark verändert haben, aber die menschlichen Freuden, Ängste und Leidenschaften selbst bleiben größtenteils so wie vor 300 Jahren die gleichen.

Mit der Form des zu damaligen Zeiten populären Pasticcios gehen wir oft auf Distanz zur konventionellen „Nummernoper“. Es entsteht eine unikale und lang in Erinnerung bleibende Geschichte, erzählt von mehreren Dichtern und Komponisten.

Entzücken, Ärgern, Lachen und Weinen ist ausdrücklich erwünscht!

Meisterwerke hanseatischer, deutscher und europäischer Barockmusik aus der Wirkungszeit der Oper zwischen 1680 und 1740, völlig vergessen oder weltberühmt, bilden unser Repertoire.

Exzellente Musiker aus Hamburg, ganz Deutschland und aus dem Ausland machen Alte Musik wieder lebendig.

Original-Lesart der Alten Musik sowie Expertise und gründliche Beschäftigung mit Quellen und alten Sing- und Spieltechniken zeichnen unseren Ansatz aus.

Originalinstrumente oder ihre Nachbauten, mit denen die ursprünglichen Farben und die gewollten Effekte der vor 300 Jahren geschaffenen Opernwerke erst richtig zur Geltung kommen, werden mit viel Liebe, fundiertem Wissen und Können eingesetzt.

Das gesamte Bühnenbild wird für jede Opernproduktion aufwändig konzipiert und als ein Unikat hergestellt, um auf die Bühnenrück- und Seitenwände im Großformat projiziert zu werden.

Zum Teil erhaltene oder rekonstruierte Original-Bühnendekorationen, die damals durch Bühnenmaschinen und viel körperlichen Einsatz bewegt wurden, werden ein Teil der digital wiederhergestellten und neu kombinierten Szenen und Landschaften.

Die bei den Schüler-Workshops komplett neu entwickelten visuellen Geschichten und Räume erweitern und verändern das bildliche Erlebnis.

In unterschiedlichen kreativen und technisch richtungsweisenden Partnern haben wir stets innovative und kompetente Lichtspielgestalter an unserer Seite.

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Workshops an Schulen für junge Bühnenmaler, Dramaturgen und Bühnenarchitekten

In jedem jungen Menschen schlummert ein Künstler. Einige können gut malen oder zeichnen, andere experimentieren gerne mit eigenen Gedichten und schreiben Geschichten, wieder andere sind erstaunlich gut im Erfassen von Raum und Formen. Diese Naturkräfte zu entdecken und sie für die Gestaltung des ganzheitlichen Bühnengeschehens unserer Opernevents zu entfalten ist eine unserer spannendsten Aufgaben.

In jedem jungen Menschen schlummert ein Musikgenießer. Aber seien wir ehrlich: Ein Kind oder ein Jugendlicher im klassischen Konzert ist zur absoluten Seltenheit geworden. Ist also eine Oper, dazu noch eine 300-Jahre alte, nur für Ältere genießbar? Oder tut sich klassische Kultur damit schwer, ihre schöne Selbstbetrachtung zu verlassen und ihr eigentliches Ziel zu verfolgen, nämlich möglichst alle Menschen am Schönen teilhaben zu lassen?

Wie stellen wir Kulturschaffenden die Anbindung von jungen Leuten an die Alte Kultur wieder her? Wir glauben, es durch direkte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen am schöpferischen Prozess zu erreichen.

In unseren Workshops werden die alten Themen und Geschichten nicht nur aus dem damaligen Kontext behandelt, sondern auch aus heutiger Sicht betrachtet und bewertet. Die Erkenntnisse der Schüler sollen gern die Gestaltung des virtuellen Bühnengeschehens dominieren.

Das Verstehen der Alten Musikkultur klappt am besten durch die »Übersetzung« der abstrakten Klänge und der erhabenen Sprache ins Bildliche. Hier sind die jungen Bühnenmaler und Bühnenarchitekten am Werk. Das Zusammenwirken der Bilder mit Musik und Text, die Reihenfolge und die Komposition der Dekorationen sowie den Wechsel der Szenenhintergründe bestimmen die jungen Dramaturgen.

So entsteht viel mehr als nur das „eigene“ Bühnenbild der Schüler. Nach dieser Arbeit wächst in jungen Menschen Verständnis und wertvolle Bindung an die zunächst unbekannte und „verstaubte“ Kultur.

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Förderung junger Profimusiker mit eigenen Konzepten und Sommerakademie

Den »Alten Hasen« in der Kulturszene fehlt oft kritischer und frischer Blick auf die ihnen so vertraute Welt. Wer noch nicht über eine lange Erfahrung und Routine verfügt, kann gut auf neue Impulse und nicht vermutete Lösungen kommen. Beste Voraussetzung, die Schätze des barocken Opernrepertoires zum neuen Leben zu erwecken, ohne in die altbekannten Muster zu verfallen.

Junge professionelle Ensembles, bestehend aus Master-Studenten oder Absolventen der Musikhochschulen bis zum Höchstalter 27, können sich um die Teilnahme am Spielbetrieb der Historischen Oper bewerben. Erwartet werden eigene Konzepte zu jeweiligen Hauptthemen der laufenden Spielzeit.

Bei Auftritten an Hamburger kultigen Orten im Rahmen unserer Spielzeit ergibt sich für junge Kollegen eine gute Chance, sich in der norddeutschen Kulturszene zu präsentieren.

Interessiert? Bevor hier die umfassenderen Informationen erscheinen, kontaktiert uns gern hier.

Eigene Faszination und das Handwerk an nachfolgende Generationen weiter zu geben und es zugänglich zu machen, ist ein groß geschriebenes Ziel der Historischen Oper. Dafür realisiert sie mithilfe erfahrener und etablierter Akteure der Kulturszene sowie diverser Förderer eine eigene Sommerakademie.

In mehrtägigen Proben, Kursen, Seminaren und Konzerten tauchen junge Profis in Alte Opernwelten ein, begleitet von erfahrenen Konzertmusikern und Pädagogen. Für das Kennenlernen von diversen Facetten eines unkonventionellen Kulturbetriebes stehen uns Organisationsberater zur Seite.

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Audio- und Videopodcast sowie Konzerteinführungen rund um die Gänsemarktoper

Über das Wesen und die Geschichte des alten Opernhauses am Gänsemarkt ist in der Opernszene und über ihre Grenzen hinaus erstaunlich wenig bekannt. Dabei ist dieser »Hamburgischer Schau-Platz« eine risikoreiche und richtungweisende Innovation, ein schrilles und umstrittenes Politikum und ein zentraler und einflussreicher Ort der Unterhaltungskultur im barocken Hamburg und Norddeutschland gewesen. Die erstrangige Stellung dieser Kulturinstitution gilt wieder aufzubauen.

Die Historische Oper möchte das Konzertpublikum über die Geschichte, das Repertoire und die Bedeutung des ursprünglichen Opernhauses aufklären, informieren und begeistern.

In Berichten und Interviews mit Künstlern, Museums- und Archivfachleuten, Kulturpolitikern und Musikwissenschaftlern wird das fundierte Wissen um die beinahe vergessene Hamburger Institution neu ergründet und populär verbreitet. Dabei bedienen wir uns einer möglichst breiten Palette von modernen medialen Lösungen wie einer Kombination aus Audio- und Videopodcasts, Live-Streaming und Unterstützung durch Social Media.

Bei ca. einstündigen Konzerteinführungen mit Sängern und Instrumentalisten am Vorabend des ersten Konzertes geben wir viel Insiderwissen und Hintergrundinformationen an die interessierten Konzertbesucher weiter. Umrandet von kontrastreichen Musikbeispielen und Erklärungen wird das Operngeschehen übersichtlicher und verständlicher. So geht man zu darauf folgender Opernaufführung gut informiert, vorbereitet und umso gespannter hin.

GESCHICHTE

Dahero wir dann, alß Erben, die resolution genommen, ümb es wieder in lustre zu bringen, nicht allein die nöhtige reparationes vorzunehmen, besondern auch Uns zu bemühen, so wohl die vocal, als instrumental Music mit tauglichen und geschickten Subjectis zu versehen, ingleichen die theatra, Kleider und decorationes wieder herzustellen, damit dieses Werck, so eine Zierde der Stadt jederzeit gewesen, zum erlaubten Vergnügen, und Ergetzung der Frembden so wohl, alß hiesiger Bürger und Einwohner, im stande conserviret beybehalten und beneficiret werden mögte.6
Aus einer Eingabe der Erben von Gerhard Schott
an den Hamburger Rat vom 12. Oktober 1718

Ao. 1678. unternahmen der Herr Gerhard Schott J.U.L. nachmahls Rathmann dieser Stadt Hamburg, der Herr Lt. Lütjens, und der Herr Joh. Ad. Reinicke, der Zeit Organist an der Catharinen-Kirche hieselbst (auch vielleicht noch einige andre unbenannte) das Opern-Wesen, baueten ein auf Grund-Hauer liegendes Haus dazu, und brachten die musicalischen Schau-Spiele, deren zwar vorhin schon eines und anders, bey gewissen Gelegenheiten, aufgeführet worden, in einen ordentlichen Gang, da sie denn das Theatrum, zum Anfange, mit einer geistlichen Materie öffnen liessen, nehmlich mit der Opera, genannt Adam und Eva.

1728

Johann Mattheson²

Oper am Gänsemarkt in Zahlen und Fakten¹

Gründung und Premiere:
2. Januar 1678
Bauart: Fachwerk
Architekt: Girolamo Sartorio
Dimensionen außen: Länge 49 m, Breite 21 m
Dimensionen innen: dreiteilige Bühne mit insgesamt fünfzehn Kulissenpaaren mit Tiefe 28,5 m, Breite 11,5 m und Höhe 9 m
Zuschauerraum: Parterre, zwei übereinanderliegenden Reihen mit Logen, in denen in je einer etwa neun bis zwölf Personen sitzen konnten und Galerien
Anzahl Zuschauerplätze: 2.000
Letzte eigene Vorstellung: März 1738 Zwischen 1738 und 1749
Vermietung des Hauses an verschiedene Komödiantentruppen
Abriss des Hauses: spätestens 1757³

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